Stefan Schulte hält am 23. November 2020 einen Keynote-Vortrag bei der Online Fokus Konferenz MARKETING. Es geht um Marketingentscheidungen die in die Zukunft reichen, in der Gegenwart getroffen werden, aber oft auf veralteten Prozessen, Daten und Entscheidungswegen beruhen. Im Interview gibt er Einblicke in dieses Thema und erzählt von seiner eigenen Erfahrung mit weitreichenden Entscheidungen, auch vor derm Hintergrund der COVID-19-Pandemie.

Lieber Stefan, welche Beziehung hast du eigentlich persönlich zu Pferden?

Ich liebe Tiere, bin ja selbst stolzer Hundebesitzer. Vor Pferden habe ich großen Respekt. Meine Partnerin reitet seit vielen Jahren und von ihr lerne ich, dass Reiter und Pferd eine fantastische Einheit bilden können – wenn die Synergie und die Fitness von beiden stimmt. Wenn dem nicht so ist – insbesondere, wenn das Pferd nicht gut ausgebildet, gut gelaunt oder gesund ist – kann das ganz anders aussehen und dieser Sport wird dann zu einem echten Risiko-Wagnis.

Du hast in den letzten 25 Jahren viel Erfahrung bei unterschiedlichen Kunden in sehr unterschiedlichen Situationen und (um im Bild zu bleiben) damit auch auf unterschiedlichen Pferden gesammelt. Was begeistert dich persönlich immer noch an diesem Thema und was hat dich dazu gebracht, dich jetzt mit dem Thema Data & Marketing beratend selbständig zu machen?

Eben genau diese Begeisterung und die Erfahrungen der letzten 25 Jahre. Es gibt immer noch viele Unternehmen, gerade aus unserer Zielgruppe – dem Mittelstand-, die im Bereich der Digitalisierung und damit auch der Daten noch viel Arbeit vor sich haben. Die Erfahrung mit den Themen Digitalisierung, Daten und Künstliche Intelligenz, die ich auf beiden Seiten des Schreibtisches gesammelt habe und die Begeisterung die wir für die Themen haben, kommen bei unseren Kunden sehr gut an, da wir aus der Praxis kommen und die Herausforderungen selbst erlebt haben. Wenn man so will haben wir also Pferde mit sehr unterschiedlichen Temperamenten in sehr unterschiedlichem Gelände trainiert…

Gibt es aus dieser Zeit etwas, das du als wichtigste insights/learnings mit uns teilen möchtest?

Das Wichtigste ist tatsächlich, sich vorher genau bewusst zu machen, was man erreichen will. Als Vergleich komme ich am besten nochmal auf’s Pferd zurück: nur die Entscheidung, dass ich ein Pferd anschaffen und reiten möchte, reicht nicht. Ich muß vorher für mich klären, ob ich auf die Rennbahn gehen möchte oder im Gelände unterwegs sein will. Aus der Zielsetzung und daraus abgeleitet der Zielgruppe ergeben sich also dann die Anforderungen und der Handlungskontext in dem ich meine Themen vorantreibe.

Viele von uns stehen gerade durch die sich corona-bedingt verändernden Rahmenbedingungen vor ganz neuen beruflichen (und natürlich auch persönlichen) Herausforderungen. Beschleunigter Wandel, neue Strategien, weniger freie Marketingbudgets – wie sollten wir Marketers damit aus deiner Sicht umgehen?

Zuerst einmal muss ich sagen, dass die Gründung eines Unternehmens mit kurz darauf folgender Corona Zeit für uns selbst eine Riesenherausforderung war und immer noch ist, die wir aber sehr gut meistern konnten, weil wir für uns zwei Dinge wesentlich waren: Akzeptanz und Fokussierung. Sehr häufig habe ich in den letzten Monaten den Satz gehört „Ohne Corona wären wir jetzt schon weiter“. Das mag richtig sein, spielt aber keine Rolle, denn wir sind mitten in einer noch nie dagewesenen Situation, die für uns alle nicht absehbar war. Hätte – wäre – wenn: das alles hilft uns nicht, wir müssen akzeptieren was ist und unsere Strategien und Taktiken entsprechend anpassen. Dabei hilft nur die Fokussierung aufs Wesentliche. Das bedeutet allerdings, dass wir die richtigen Fragen stellen müssen, um auch die richtigen Entscheidungen zu treffen. Hier genau hakt es bei vielen, denn die richtigen Fragen zu finden und den Mut zu haben sie auch zustellen, gerade wenn es unbequem ist, ist die große Herausforderung, an der viele Unternehmen und Entscheider derzeit knabbern. Das erleben wir in unseren Projekten immer wieder und ist in der Tat der eines der großen Hemmnisse bei der Umsetzung der Digitalisierung, die nie so wichtig war wie in der aktuellen Zeit.

Im Titel deines Vortrags nennst du das die Entscheidungsapokalypse?

Sie ist Teil davon, ohne hier zu viel vorwegnehmen zu wollen, es geht aber noch viel weiter. Schnelle Entscheidungen in schnellen Zeiten und schnellen Medien können nicht mit althergebrachten Mittel und Methoden getroffen werden. Wir müssen Daten, Prozesse und vor allen Dingen unseren Entscheidungskontext neu denken, dann wird die Qualität unserer Entscheidungen davon spürbar profitieren.

Zur Person:

Dr. Stefan Schulte ist seit 25 Jahren in verschiedenen Management- und Beratungsrollen tätig. Seine nationalen und internationalen Erfahrungen von beiden Seiten des Schreibtisches hat er genutzt, um im letzten Jahr die Sherlock & Watson Marketing und Data Investigation zu gründen. Mit dem Schwerpunkt Digitalisierung von Kundenbeziehungen und Unternehmen, ist er während der Coronazeit zu einem sehr gefragten Ansprechpartner geworden und berät mit seinem Start-up erfolgreich Kunden aus den Bereichen Handel, Konsumgüter, IT und Telekommunikation.

„Das tote Pferd“ LIVE wiederbeleben:

Den gesamten Vortrag „Die Legende vom toten Pferd (oder: wie Marketer der Entscheidungsapokalypse entkommen)“ hält Stefan Schulte live bei der Online Fokus Konferenz MARKETING am 23. November 2020 um 9 Uhr. Die Anmeldung ist für MARKETER kostenfrei: Hier registrieren!

 

Autor: Tanja Grünwald

Bildquellen: Stefan Schulte, https://www.pexels.com/de-de/