Regelmäßig für dasselbe Unternehmen oder Produkt auf neue Ideen für den Content kommen, ist DAS Thema, mit dem sich Teams & Redaktionen auf Agentur- und Unternehmensseite immer wieder beschäftigen (müssen).

Was können wir diese Woche bringen? Was interessiert unser Publikum? Wie wecken wir das Interesse der Zielgruppe?

Der Schlüssel für eine gelungene, d.h. produktive, kreative und effiziente Redaktionssitzung ist der bewusste Umgang mit den einzelnen Phasen des Content Creation Prozesses – und das Mindset der Teilnehmenden.

Es kommt viel zu oft vor, dass die Ideen-Entwicklung und die Ideen-Bewertung miteinander vermischt werden. Jeder Kommentar á la „Haben wir schon gemacht.“, „Hat nicht funktioniert“ oder „Passt nicht zur Zielgruppe“ oder „Zu aufwändig!“ zerstören den Gedankenfluss und verhindern das Entstehen neuer Ideen. Sie schaffen so bewusst oder unbewusst, ein Atmosphäre, in der die Teilnehmenden Angst davor haben, etwas falsch zu machen.

Trennen Sie die beiden Bereiche strikt voneinander. Nehmen Sie sich für die nächste Redaktionssitzung bewusst Zeit, zu spinnen und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Strukturieren Sie die Session dafür in drei Phasen:

  • Fokus-Phase: Themen-Fokus auswählen
  • Ideen-Phase: Spinnen und die Gedanken schweiften lassen
  • Auswahl-Phase: Ideen systematisieren und auswählen

Jede Phase hat dabei einen fixen Zeitrahmen (Zeitdruck hilft!) und ihre eigenen Regeln.

1) Die Fokus-Phase

Starten Sie damit, dass Sie am Anfang einen Themen-Fokus setzen und sich genau darauf konzentrieren. Je konkreter ihr Fokus, desto besser. Suchen Sie sich z.B. eine bestimmte Zielgruppe, einen konkreten Produkt-Nutzen aus oder einen spezifischen Kommunikationsanlass aus, dem sie sich widmen wollen.

Je nach dem, in welchen Abständen Sie Ihre Redaktionssitzung abhalten, können Sie z.B. auch drei konkrete Themen auswählen, die sie in der Ideenfindungsphase behandeln wollen. In der Fokus-Phase geht es nicht um Phantasie und Geschmack, sondern um genaue Kenntnis des Kommunikationsplans, der Saison, etc. Hängen Sie am Ende der Phase das ausgewählte Thema sichtbar für alle im Raum auf, damit es präsent bleibt.

2) Die Ideen-Phase

In der Ideenphase ist alles erlaubt. Ja genau: Alles! Im Kreativ-Prozess gilt die Regel: Every Idea comes from another. Niemand weiß, wo die nächste Idee herkommt. Nur eines kann ich aus jahrelanger Erfahrung sagen: Sie kommt garantiert nicht durch das Gefühl „Wir dürfen bloß keinen Fehler machen“. Gerade wenn die Zeit knapp ist, sollte man die gemeinsame Meeting-Zeit dafür nutzen, sich durch die anderen Teilnehmen inspirieren zu lassen. Damit das gelingt können Sie mit Kreativ-Techniken arbeiten, um den Ideenfluss in Gang zu bringen. Zwei stelle ich Ihnen im folgenden vor:

Kreativ-Technik #1

Jede Idee wird weiter entwickelt. Der Ablauf: Ein Teilnehmer macht einen Vorschlag und dann muss jede/r in der Runde die Idee weiter entwickeln. Damit die Teilnehmenden gar nicht erst ins Grübeln kommen, findet die Session unter Zeitdruck statt. Gleichzeitig sollte Allen bewusst sein, dass die meisten Ideen für den Papierkorb sind – und das ist auch gut so. Nur so entsteht Qualität.

Zum Beispiel so:

Wir zeigen die Hobbys der MitarbeiterInnen >  Jede/r zeigt die Hobbys eines Kollegen / einer Kollegin. > Wir zeigen die Hobbys der MitarbeiterInnen mit Büro-Utensilien. > Die Hobbys der MitarbeiterInnen müssen ohne Worte und nur durch Gesten erklärt werden > Wir lassen die User raten, welchen Hobbys dargestellt werden. >  Wir lassen die User raten, welche Tätigkeit die oder derjenige hat, dessen Hobby wir zeigen > Wir fragen in der Zielgruppe, wer auch dasselbe Hobby wie der Mitarbeiter hat. > Wir zeigen Beispiele, warum die Hobbys der MitarbeiterInnen ihnen dabei helfen, ihren Beruf besser auszuführen. > Die Mitarbeiter zeichnen ein Bild ihres Hobbys > Die Kinder der Mitarbeiter zeichnen ein Bild des Hobbys ihrer Eltern und so weiter und so fort.

Unabhängig davon ob die Hobbys der Mitarbeiter ihr Thema sind, können Sie nach diesem Prinzip neue Facetten und neue Darstellungsformen eines Themas in kurzer Zeit entdecken.

Der Vorteil: Kopieren ist erlaubt und erwünscht, genau so wie Verfremdungen und Improvisationen. So kommen Sie in kurzer Zeit auf eine große Vielzahl von Ideen.

Sie können die Weiterentwicklungen der Ursprungsidee auch einfach auf andere Themen übertragen. In unserem Beispiel: Wir lassen die Kinder der MitarbeiterInnen zeichnen, was Ihre Eltern beruflich machen. Oder wir zeigen nur mit Gesten, wann unser neues Produkt erscheint. Oder wir lassen die User raten, wie viel Zeit wir uns für ein Posting nehmen. Und, und, und.

Je präsenter die Ideen allen Teilnehmenden sind, desto besser.

Kreativ-Technik #2

Fangen Sie einfach irgendwo an. Wählen Sie irgendeinen Gegenstand aus dem Umfeld aus und zwingen (ja, zwingen!) Sie sich, jeder 10 Ideen aufzuschreiben, die das Produkt, der Serie oder Ihr Unternehmen mit dem Gegenstand zu tun haben.

Sie können jeden Gegenstand nehmen. Starten Sie zum Beispiel mit einer Uhr und sehen Sie, wie leicht sich Schnittmengen zu Ihren Themen finden lassen:

Wir zeigen, wie viel Zeit, wir uns für unsere Kunden nehmen. > Wir schreiben darüber, wie Zeitdruck Kaufentscheidungen beeinflusst. > Wir sprechen darüber, wie man unter Zeitdruck zu besseren Entscheidungen kommt. > Wir machen ein Posting, wie viel Zeit wir unseren Kunden sparen. > Wir rechnen die gesamte Zeit-Ersparnis, die unser Produkt unseren gesamten Newsletter-AbonnentInnen jeden Monat bringt. Und so weiter und so fort.

Auch mit dieser Technik entsteht in kurzer Zeit ein Ideenpool, aus dem Sie eine oder mehrere Ideen auswählen und dann kanalspezifisch ausarbeiten können.

Tempo und ein bewusster Umgang mit der Zeit helfen bei der Ideenfindung

3) Die Auswahlphase

In der Auswahl-Phase können und müssen Sie dann wieder kritisch und genau sein. Aber erst dann. Und orientieren Sie sich an den Positiv-Beispielen.

Ein Tipp, um sich auf das Positive zu konzentrieren: in der Auswahl-Phase muss jede/r Teilnehmende seine / ihre Lieblingsidee benennen. Nach dem Motto: Welche Idee möchtest du machen? Die Antwort „Keine!“ oder „Es ist nichts dabei.“ zählt nicht, konstruktive Weiterentwicklungen sind natürlich gestattet.

Ganz wichtig ist, es dass Sie für diese Phase auch genug Zeit einplanen. Nichts ist frustrierender für die Teilnehmenden, gefühlt jede Menge Ideen „produziert“ zu haben und dann nicht zu wissen, was damit passiert.

Nutzen Sie z.B. die Charakteristika der unterschiedlichen Plattformen und das Nutzungsverhalten ihrer Zielgruppe aus, um die Ideenvielfalt zu strukturieren.

Und hier gilt: weniger ist mehr! Die meisten Ideen entwickeln ihre Kraft erst in der Umsetzung. Wählen Sie also lieber weniger Ideen auf, damit ihre DesignerInnen auch genug Zeit für die Gestaltung haben.

 

Fazit:

Ideenfindung ist Arbeit. Aber eine Arbeit, die Spaß macht. So paradox es klingt: je stärker sie sich an die Regeln in den einzelnen Phasen, desto mehr Freiheit gewinnen Sie in jeder Phase.

Gerade am Anfang ist es hilfreich, eine/n Moderator/in zu bestimmen, der oder die auf die Zeit achtet, die nächste Phase einläutet und klar macht, worauf es in dieser Phase ankommt.

Probieren Sie es einfach mal und teilen Sie Ihre Erfahrungen gerne hier in den Kommentaren.

 

Autor: Ingmar Bartels

Bildquelle: Pexels