Wieder geht ein Jahr zu Ende, in dem sich viele von uns freiwillig oder aus der Not heraus am New Way of Working versucht haben. Immer mehr Meetings finden aus dem Homeoffice über Videokonferenz-Lösungen statt. Und es wird immer klarer: So ganz umkehren lässt sich der eingeschlagene Weg nicht mehr.

 

Aber es muss doch eine Möglichkeit geben, diese Video-Sitzungen ansprechender zu gestalten als mit dem Headset vor der Kamera zu sitzen und dabei die triste Raufasertapete oder die aktuelle Kollektion aus dem schwedischen Möbelhaus seines Gegenübers zu studieren. Ein neues Setup muss her; und zwar ohne dafür großes Budget in die Hand zu nehmen!

 

Step 1: Ein Hauch von Studio-Atmosphäre

Ja, ich gebe es zu, ich bin auf ein Blitzangebot reingefallen. Wobei „reingefallen“ nicht richtig ist, denn ich habe den Kauf bis heute nicht bereut. Es war ein unverschämt günstiges Set bestehend aus einem grünen Stofftuch und zwei Lampenschirmen, alles komplett mit Stativen, damit man es auf die Gegebenheiten im Bürozimmer ausrichten kann. Besonders gefallen haben mir die Lampen, denn es waren Soft-Boxen, mit denen man eine recht gleichmäßige Ausleuchtung hinbekommt.

Ein neues Licht ist der Quick Win für jede Konferenz: Egal ob Microsoft-Teams, Zoom, Webex, GoTo-Meeting oder wie auch immer die Systeme heißen, bei Konferenzen am Morgen oder gegen Abend in der Dämmerung reicht das spärliche Tageslicht oft nicht aus, die Laptop-Kamera freut sich daher über jede zusätzliche Lichtquelle.

 

Step 2: Ein virtueller Hintergrund

Zwar schaffen es schon einige Programme, den Präsentierenden im Vordergrund und ein beliebiges Hintergrundbild, vielleicht sogar ein Screensharing, im Hintergrund darzustellen, hier ist aber viel mehr möglich! Ein Green Screen hilft; damit kann die Software leicht erkennen, was im Kamerabild gezeigt werden soll – nämlich alles, was nicht grün ist – und was durch den virtuellen Hintergrund ausgeblendet werden soll.

Wenn man anstelle der Optionen aus der Videokonferenz-Software eine dedizierte Software verwendet, kann man verschiedene Bild- und Tonquellen kombinieren und das Ergebnis entweder als Video aufnehmen oder gleich an einen Empfänger wie die Konferenz-Software streamen. Als Standard im semi-professionellen Bereich hat sich die Open-Source Lösung Open Broadcaster Studio, kurz OBS, durchgesetzt. Und das Beste: Die Software gibt es für Windows, Mac und Linux.

In OBS kann man Szenen definieren und mehrere Quellen frei kombinieren: Eine rudimentäre Szene besteht beispielsweise aus dem Kamerabild und einer Fenster- oder Bildschirmaufnahme, die ein Browserfenster zeigt. Diese Szene kann man verwenden, um eine Applikation im Browser zu präsentieren und sein eigenes Bild davor oder daneben einzublenden.

Im Videokonferenzprogramm entfernt man den zuvor eingestellten virtuellen Hintergrund und wählt nicht die Standard-Kamera, sondern die OBS Virtual Camera. Et voilà!

Beim Inhalt der Fensteraufnahme ist Kreativität gefragt: Es kann ein Browserfenster sein, ein beliebiges Hintergrundbild, ein Video oder auch eine Präsentation.

 

Step 3: Die richtige Kamera und der richtige Ton

Die Kamera des Laptops ist normalerweise ausreichend. Will man hier bessere Ergebnisse erzielen, hilft eine externe Webcam oder das eigene Smartphone. Ich arbeite gern mit der Kamera des iPhones. So kann ich das Kamerabild unabhängig vom Rechner positionieren. Für die Übertragung des Kamerabildes an OBS verwende ich die Epoccam App von Elgato. Die Software gibt es in einer kostenfreien Version mit reduzierter Auflösung zum Ausprobieren oder in einer kostenpflichtigen Version mit einer Videoqualität von 1080p.

Für den richtigen Ton verwende ich ein günstiges Großmembran-Mikrofon, das dem Standard-Mikrofon im Laptop deutlich überlegen ist. Außerdem gibt die Möglichkeit, ein externes Mikro an der passenden Stelle im Raum zu positionieren, mehr Flexibilität im Aufbau. Das Mikrofon habe ich per USB an den Rechner angeschlossen und in OBS als Audioquelle definiert.

Dadurch, dass Ton und Kamerabild als Quellen in OBS sind, gibt es keine Synchronisationsprobleme zwischen Bild und Ton, für die OBS aber sogar Korrekturmöglichkeiten bieten würde.

 

Step 4: Der Fehler liegt oft im Detail

Ich habe begonnen, das so aufgepeppte Setup in täglichen Konferenzen einzusetzen und die Kollegen mit wechselnden Hintergründen erfreut. Doch immer, wenn die Abstimmung ein bisschen länger gedauert hat, ist mir mein Bild eingefroren. Ursache ist wohl, dass OBS, je länger die Applikation läuft, mehr und mehr Speicher benötigt. Ich habe daraufhin zwei Maßnahmen getroffen: Als erstes habe ich auf sehr große Video-Dateien als Hintergrund sowie besonders umfangreiche Präsentationen verzichtet.

Darüber hinaus habe ich die Last von Videokonferenzprogramm und OBS auf zwei Rechner verteilt. Den ausgehenden OBS Stream des einen Rechners habe ich auf dem zweiten Rechner mit der NDI Webcam Input App eingefangen. Im Videokonferenz-System wählt man als Kamera „NDI Video“, als Mikrofon „NDI Audio“. Die Rechner sind idealerweise im kabelgebundenen LAN, es funktioniert aber auch mit einer stabilen WLAN-Verbindung.

 

Step 5: Extra-Tipp für Präsentationen: Ein Teleprompter

Wenn es nicht um die tägliche Abstimmung mit den Kollegen geht, man viel mehr die Aufgabe hat, über einen komplexen Sachverhalt zu referieren, dann kann ein Teleprompter helfen. Auch hier gibt es Möglichkeiten für eine Lösung mit überschaubarem Budget. So gibt es immer mehr Apps für mobile Devices. Dabei nutze ich lieber das Tablet als das Smartphone, damit der zu sprechende Text in einer gut lesbaren Schriftgröße angezeigt wird.

Auf dem iPad ist Apple Pages eine kostenfreie Variante, das einen „Moderatormodus“ anbietet. Der macht nichts anderes als einen geschriebenen Text automatisch zu scrollen, so dass man ihn ablesen kann. Man kann sogar farbige Auszeichnungen machen, um Sprechernotizen wie einen Folienwechsel in einer anderen Farbe hervorzuheben.

Über die Tastatursteuerung des iPads ist es möglich, sich einen Klick-Befehl auf eine Tastatur zu legen. So kann man den scrollenden Text mit einer Bluetooth Tastatur auch aus der Entfernung stoppen und wieder starten.

 

So, und nun freue ich mich auf all die kreativen Möglichkeiten, die meine Gesprächspartner finden, um mich in der nächsten Konferenz zu überraschen!

 

Autor: Martin Reinheimer

Martin Reinheimer ist seit mehr als 15 Jahren als Consultant im DAM-Umfeld branchenübergreifend für Kunden der NUREG GmbH tätig. NUREG ist ein Medienunternehmen, das als Partner Marketing-Strategien und Markenpflege mit passenden Omnichannel-Maßnahmen unterstützt. NUREG bietet dabei Beratung und Dienstleitung in den Bereichen IT, Online- & Printproduktion, Fotografie und Creative an.